Prisoners of Fate

[…] Die Orientierungslosigkeit der Protagonist:innen wird nicht nachsichtig behandelt, denn sie entsteht nicht durch die Möglichkeit einer Wahl zwischen ihrem Herkunftsland und Europa. Alles geschieht aus der Not heraus. Es gibt keinen Platz für Selbstgefälligkeit und keine Zeit für Selbstmitleid.

[…] Le situazioni presentate dal regista sono drammatiche, ma raccontate con grande compostezza.

«Ein Land zu verlassen, ist wie ein Ausbruch aus einem Gefängnis, und ein Land zu betreten, ist wie durch ein Nadelöhr zu gehen»: Diese Worte des kleinen Rupert (Michael Chaplin) im Dialog mit König Shahdov (Charles Chaplin) in King in New York (1957) fassen das Thema dieses berührenden Dokumentarfilms von Regisseur Mehdi Sahebi – gebürtiger Iraner, seit 1983 in der Schweiz – zusammen.

Durch die geschickte Verflechtung der Geschichten mehrerer in der Schweiz lebender Migrant:innen aus dem Nahen Osten, die vor dem Krieg in Afghanistan oder dem Regime im Iran geflohen sind, zeigt Mehdi Sahebi den Zuschauenden, dass Flüchtlinge nicht Herr ihres Schicksals sind. Diejenigen, die vor der Gefahr fliehen, selbst wenn sie eine Reise voller Tücken überleben, müssen mitunter sehr lange auf die Bewilligung ihres Asylantrags warten und in ihrem neuen Land jahrelang untätig bleiben, um dann vielleicht gezwungen zu sein, in die Hölle zurückzukehren, aus der sie zu fliehen versuchten, ohne eine Alternative zu haben, und «Gefangene ihres Schicksals» zu bleiben.

Viele Einstellungen unterstreichen das Gefühl der Entwurzelung, das die Protagonist:innen empfinden: Die kahlen, grauen Äste vor dem fahlen Himmel hinter der Fensterscheibe des Schlafzimmers des jungen Ezat, die von elektrischem Licht erhellt wird, während er mit seiner Mutter telefoniert, die Wiederkehr des Frühlings im Gesang der Vögel und den blühenden Zweigen auf der Strasse, während Abolzafls Eltern ihrem Ärger Luft machen darüber, dass sie ihren Sohn nach monatelangem Bitten nicht mit in die Schweiz nehmen können, die Perserteppiche, auf denen die Protagonist:innen ihre Mahlzeiten einnehmen, während um sie herum weisse, gleichförmige Einrichtungsgegenstände dominieren. Doch die Orientierungslosigkeit der Protagonist:innen wird nicht nachsichtig behandelt, denn sie entsteht nicht durch die Möglichkeit einer Wahl zwischen ihrem Herkunftsland und Europa. Alles geschieht aus der Not heraus. Es gibt keinen Platz für Selbstgefälligkeit und keine Zeit für Selbstmitleid. Die vom Regisseur dargestellten Situationen sind dramatisch, aber mit grosser Sensibilität erzählt: Elmiras Mutter erklärt, dass sie seit Wochen nicht mehr mit ihrem Sohn telefoniert hat, weil es ihr wehtut, ihn nicht bei sich zu haben, und mit einem Lächeln – ohne Tränen – verrät sie, dass sie beschlossen hat, sich aus Traurigkeit die Haare abzurasieren (zu dieser Zeit lebt die Familie im Umkreis von Basel).

In einem Film, in dem die erzählerische Komponente überwiegt, entwickelt der Regisseur Mehdi Sahebi die Geschichten der Figuren durch ihren Alltag im Zielland, vor allem, wenn sie miteinander im Dialog stehen: ein Telefonat zwischen Mutter und Sohn, ein Gespräch zwischen zwei Freunden beim Kochen, ein gemeinsames Abendessen, die Fahrt ins Büro, all das erhält Bedeutung. Sahebi folgt den Figuren ständig und schafft es, dass sich die Zuschauenden mit ihren konkreten Existenzen identifiziert und eine starke Empathie für sie entwickelt. Sahebi bevorzugt Nahaufnahmen, mit ungewöhnlichen Einstellungen von oben oder unten, als ob die Kamera versteckt wäre, oder subjektive Aufnahmen von einer Figur, die zum Beispiel mit einer anderen durch den Bildschirm eines Telefons spricht, oder sehr nahe Aufnahmen in Momenten grosser emotionaler Intensität. Manchmal wenden sich die Figuren direkt an die Kamera, wobei die Anwesenheit des Regisseurs deutlich zu sehen ist, mit dem sie sich in einer Art Interview-Beichte offen austauschen.

Der passende Soundtrack fungiert als Voice-over, denn die Worte iranischer und afghanischer Liebeslieder (Marjah Farsad und Ahmad Zahir), die sich um die Themen Distanz und Trennung drehen und viele Sequenzen begleiten, betonen die Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Figuren, nämlich ihr Gefühl der inneren Zerrissenheit, ausgelöst durch eine Verlassenheit: eine geliebte Person anderswo zurückgelassen zu haben oder ihren Arbeitsplatz in ihrem Heimatland aufgegeben zu haben. Es sind Figuren, die schwierige Entscheidungen treffen müssen. Der Ort der Seele ist für sie jedoch nicht immer mit dem Herkunftsland identifiziert, sondern mit dem Ort, der die Liebe wiederherstellen kann, mit dem Ort, an dem eine Familie zusammenhalten kann. So heisst es in dem Lied, das die Flüchtlinge wie ein Schlaflied begleitet, wenn sie sich einer nach dem anderen auf ihr Bett legen und dann einschlafen: «Unsere Heimat ist weit weg, hinter den geduldigen Bergen, hinter den goldenen Feldern, hinter den leeren Wüsten, unsere Heimat ist auf der anderen Seite des Wassers, (...) sie ist in einem Traum, in einer Fantasie.»

Das Wort, das im Film so sehr dominiert, weicht nicht nur der Musik, sondern auch dem traditionellen Tanz, der in Zeitlupe gefilmt wird. Diese Wahl ist in den entscheidenden Momenten des Wiedersehens oder der Trennung der Protagonist:innen von ihren Liebsten vorherrschend.

Eine trockene Erzählweise trägt dazu bei, die Fakten auf wesentliche Weise zu erzählen und auch den nötigen Raum für Humor zu schaffen, wo die Protagonist:innen ihre Geschichten oft mit Witzen und lustigen Episoden anreichern. Darüber hinaus versteht es Sahebi, ein und dasselbe Ereignis aus mehreren Blickwinkeln zu betrachten: Die Geschichte der polizeilichen Festnahme des Jungen Abolzafl an der türkisch-iranischen Grenze ist beispielhaft. Die Betrachtenden erfahren davon aus dem Bericht der Eltern des Kindes, aber auch aus einer Zeichnung von Abolzafl, die auf einem Telefonbildschirm zu sehen ist und von der Mutter kommentiert wird, und schliesslich aus dem direkten Bericht des Kindes Jahre später. Der Blick der Kinder auf die Realität, ihre Spiele, ihre ausgedehnten Zeiten, ihre leichten Unterhaltungen, ihre an die Erwachsenen gerichteten Fragen werden mit Poesie und Unschuld hier und da in die Erzählung eingefügt und werfen ein offenes Licht auf die Probleme, im Gegensatz zur Absurdität der bürokratischen Komplikationen der Erwachsenenwelt.

Der Film endet mit einer hoffnungsvollen Note: Mahmad offenbart Ezat, dass er sich geirrt hat, als er dachte, er könnte im Iran leben. Jetzt, weit weg von der Schweiz, spricht er mit seinem Freund (und den Zuschauenden) per Videoanruf. Verhaftet und verprügelt, versucht er sechsmal, die Grenze zur Türkei zu überqueren, bis es ihm – wie wir später erfahren – gelingt, in die Schweiz zurückzukehren. Emotional in die Geschehnisse des fragilen Mahmad involviert, will das Publikum des Films natürlich wissen, ob die Figur das Trauma des Krieges überwunden hat und versucht, sich ein neues Leben aufzubauen, es will die kleine Elmira und Abolzafl kennenlernen, und es will auch wissen, welchen Job Ezat jetzt hat. Mit Prisoners of Fate ist es Sahebi zweifellos gelungen, dass wir den Geschichten seiner Figuren nahe sind und das Gefühl bekommen, dass ihre Existenz derjenigen von so vielen anonymen Gesichtern von Männern und Frauen ähnelt, die täglich versuchen, ihr eigenes Zuhause zu finden – ständig auf Reisen und doch immer wieder Ausländer:innen.

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«Lasciare un Paese è come evadere dalla prigione ed entrare in un Paese è come passare attraverso la cruna di un ago». Queste parole pronunciate dal piccolo Rupert (Michael Chaplin) in dialogo con King Shahdov (Chaplin) in King in New York (1957) possono sintetizzare il tema di questo toccante documentario del regista Mehdi Sahebi (di origini iraniane, dal 1983 in Svizzera).

Operando un abile intreccio tra le vicende di diversi migranti mediorientali che vivono a Winterthur, fuggiti dalla guerra in Afghanistan o dal regime in Iran, Mehdi Sahebi mostra allo spettatore come i rifugiati non siano padroni del loro destino. Infatti chi scappa dal pericolo, anche se sopravvive ad un viaggio irto di trappole, potrebbe trovarsi ad affrontare lunghissimi tempi d'attesa per l'approvazione della domanda di asilo nonché anni di inoperosità nel nuovo Paese, per poi magari essere costretto a tornare nell'inferno da cui ha provato a fuggire, senza alternative, rimanendo appunto “prigioniero del suo destino”.

Molte inquadrature accentuano il senso di sradicamento percepito dai protagonisti: i rami spogli e grigi contro un cielo livido dietro il vetro della finestra della camera del giovane Ezat, illuminata dalla luce elettrica, mentre lui è al telefono con la mamma; il ritorno della primavera nel canto degli uccelli e nei rami in fiore in strada, mentre i genitori di Abolzafl sfogano la loro rabbia per non poter portare il figlio con loro in Svizzera, dopo mesi di richieste; i tappeti persiani sui quali i personaggi si siedono per consumare i loro pasti, mentre intorno a loro dominano arredi bianchi e tutti uguali. Ma non c'è indulgenza sullo spaesamento dei protagonisti, perché questo non nasce dalla possibilità di una scelta tra il Paese d'origine e l'Europa. Tutto avviene per necessità. Non c'è spazio per il compiacimento né tempo per l'autocommiserazione. Le situazioni presentate dal regista sono drammatiche, ma raccontate con grande compostezza: la mamma di Elmira dichiara di non aver parlato con il figlio al telefono da settimane, perché non averlo lì con lei le fa male, e con il sorriso – senza lacrime – rivela che ha deciso di rasarsi i capelli per la tristezza.

In un film in cui la componente affabulatoria predomina, il regista racconta le storie dei personaggi attraverso la loro quotidianità nel Paese d'arrivo, soprattutto quando sono in dialogo tra loro: acquista così significato una telefonata tra madre e figlio, una chiacchiera tra due amici mentre cucinano, una cena condivisa, il tragitto per raggiungere un ufficio. Il regista segue costantemente i personaggi e riesce a far immedesimare lo spettatore nelle loro minute esistenze, stabilendo con loro una forte empatia. Sahebi privilegia i primi piani, con inquadrature insolite, dall'alto o dal basso, come se la cinepresa sia nascosta; o le inquadrature soggettive di un personaggio che parla con un altro attraverso lo schermo di un telefono; o i primissimi piani nei momenti di maggiore intensità emotiva. A volte i personaggi si rivolgono direttamente alla cinepresa, rivelando in modo evidente la presenza del regista, con cui si esprimono apertamente, in una sorta di intervista-confessione. 

La bellissima colonna sonora funge da voice over, perché le parole delle canzoni d'amore iraniane e afghane (Marjah Farsad e Ahmad Zahir) incentrate sui temi della lontananza e della separazione, che accompagnano molte sequenze, enfatizzano gli elementi in comune tra i diversi personaggi, ovvero il loro senso di lacerazione interiore, scaturito da un abbandono: l'aver lasciato altrove una persona cara o l'aver lasciato il loro lavoro nel Paese d'origine. Sono personaggi che devono compiere scelte difficili. Il luogo dell'anima per loro non si identifica però sempre con il Paese d'origine, ma con il luogo in grado di riunire gli affetti, con quello in cui una famiglia può rimanere coesa. È così che dicono le parole della canzone che accompagna i rifugiati come una ninna-nanna quando, uno a uno, prima si sdraiano sul loro letto e poi si addormentano: «La nostra casa è lontana, dietro le montagne pazienti, dietro i campi dorati, dietro i vuoti deserti, la nostra casa è dall'altra parte dell'acqua, [...] è in un sogno, in una fantasia». Per questo Ezat tenta di emigrare illegalmente in Italia, sperando che la burocrazia più rapida di quel Paese gli consenta di lavorare e riprendere a sostenere economicamente sua madre, come faceva prima; una donna anziana rinuncia al benessere e alla libertà in Svizzera per essere vicina al marito ferito in Afghanistan; una famiglia prende in considerazione il ritorno in Iran, per stare con il figlio, ma rischia di dover andare in Afghanistan, perché è di origine afghana, e così decide di rimanere lontana da lui, in Svizzera, in attesa del ricongiungimento.

La parola, che tanto predomina nel film, cede il passo non solo alla musica, ma anche alla danza tradizionale, ripresa con la tecnica del ralenti. Questa scelta prevale nei momenti cruciali di riunione o di separazione dei protagonisti dai loro cari: per esempio quando Mahmad, afflitto dal trauma della guerra e incapace di lasciarselo alle spalle, decide di tornare in Iran, e danza per una festa d'addio davanti ai suoi amici in Svizzera; o quando un altro giovane personaggio, ormai integrato negli scout, balla con i suoi amici; o quando il piccolo Abolzafl balla in piedi, su una sedia, mentre in Iran si ritrova finalmente per qualche giorno con la sorellina e i genitori.

Una narrazione asciutta contribuisce a raccontare i fatti in modo essenziale, e a questo concorre anche lo spazio dato dal regista all'umorismo, perché i protagonisti arricchiscono spesso i loro racconti con battute ed episodi divertenti. Inoltre Sahebi sa osservare uno stesso evento da più angolazioni: esemplare è la vicenda della cattura da parte della polizia del piccolo Abolzafl, al confine turco-iraniano. Lo spettatore ne viene a conoscenza dal racconto fatto dai genitori del bambino; da un disegno di Abolzafl osservato dallo schermo di un telefono e commentato dalla madre; e infine dal racconto diretto del bambino anni dopo. Lo sguardo dei bambini sulla realtà, i loro giochi, i loro tempi dilatati, le loro conversazioni leggere, le loro domande dirette agli adulti, con poesia e innocenza si inseriscono qua e là nella narrazione, gettano una luce candida sui problemi, in contrasto con l'assurdità delle complicazioni burocratiche del mondo degli adulti.

Il film si conclude con una nota di speranza: Mahmad rivela a Ezat di aver commesso un errore a pensare di poter vivere in Iran. Ormai lontano dalla Svizzera, parla all'amico (e agli spettatori) in videochiamata. Arrestato e picchiato, tenta sei volte di superare il confine con la Turchia, finché – si viene a sapere dopo – riuscirà a tornare in Svizzera. Coinvolto emotivamente nelle vicende del fragile Mahmad, il pubblico del film vorrà naturalmente sapere se il personaggio abbia superato il trauma della guerra e cerchi di costruirsi una nuova vita, o incontrare i piccoli Elmira e Abolzafl, o ancora sapere che lavoro svolga ora Ezat. Con Prisoners of Fate Sahebi è riuscito senz'altro a farci appassionare alla storia dei suoi personaggi e a farci sentire che la loro esistenza somiglia a quella di tanti volti indistinti di uomini e donne che tentano quotidianamente di trovare una loro casa, costantemente in viaggio, perennemente Ausländer.

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Screenings at the Solothurner Filmtage 2024

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Prisoners of Fate | Film | Mehdi Sahebi | CH 2023 | 100’ | Locarno Film Festival 2023, Semaine de la critique; Solothurner Filmtage 2024 | CH-Distribution: Cineworx

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First published: August 13, 2023