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Videoex 2022

Videoex 2022

Die 24. Ausgabe des Videoex Experimentalfilm & Video Festival findet dieses Jahr vom 21. – 29. Mai 2022 statt. Videoex ist das einzige Schweizer Festival, das sich explizit dem experimentellen Film- und Videoschaffen widmet und sich mit dieser Ausrichtung an der wichtigen Nahtstelle zwischen Kunst und Kino befindet.

Hier unten folgt der Gastbeitrag von Videoex Festival

Experimentelles Wellenschlagen für die Zukunft

Wie die Jahre zuvor bietet das Festival eine einzigartige Plattform für Künstler:innen in der Schweiz und bringt nationale Perlen auf die Leinwand, wie im CH-Fokus, welcher dieses Jahr Arbeiten der Zürcherin Anka Schmid präsentiert. Die Werke der Grenzgängerin zwischen Film und Kunst wurden an internationalen Festivals in Locarno, Nyon, Berlinale, San Francisco, Chicago oder Sundance gezeigt. Was ihre Filme besonders kennzeichnet ist die Transformation der erlebten Wirklichkeiten in eine affektive oder sogar magisch anmutende Zwischenwelt.
Gesellschaftskritische Fragen im Spannungsfeld von Individualität und Zusammenleben, Innen- und Aussenwelt, Wahnsinn und Vernunft, Inklusion und Exklusion auf wird in einem Special in Zusammenarbeit mit Video Window gezeigt: Abkapselung von Einzelnen und Gruppen gegenüber der Gemeinschaft als Leitmotiv verbinden die Werke Superposition (2022) von Christoph Oertli und die Twin-Videos Casulo (Kokon, 2019) und Palco (Bühne, 2019) des brasilianisch-schweizerischen Duos Dias & Riedweg.
Der Schweizer Wettbewerb zeigt eine spannende Momentaufnahme des nationalen Experimentalfilmschaffens.
An der Podiumsdiskussion diskutieren Fachleute, wie analoge und Video Werke erhalten und zugänglich gemacht werden können und wie eine nachhaltige Archivierung gelingt. Gerade bei den frühen Schweizer Film- und Videoarbeiten macht ihr Alter die Frage der Lagerung und Konservierung dringlich, zudem beschäftigt sich in der Schweiz keine Institution aktiv damit, was Videoex ändern möchte.  

Mit dem Gastprogramm «Arab Wave» will das Videoex Festival punktuelle Einblicke in die lang jährige, faszinierende und vielfältige kulturelle Geschichte des arabischen Experimentalfilms und der arabischen Videokunst in Nordafrika und dem Nahen Osten ermöglichen. Leitgedanke des Programmes ist die uralte Idee eines gemeinsamen Kulturraumes auf beiden Seiten des Mittelmeeres. Während Jahrhunderten diente das Mittelmeer als verbindendes Element und bedingte einen regen Kulturaustausch. Heute funktioniert es jedoch als Grenze und Ort der Abschottung Europas gegen Süden. Starke weibliche Stimmen und ihr Ringen nach eigener Identität im Korsett kolonialistischer Strukturen stehen im Vordergrund des Gastprogramms «Arab Wave» und Videoex präsentiert Programme, kuratiert von drei jungen Filmemacherinnen aus Algerien, Ägypten und Libanon sowie Arbeiten aus Tunesien. Zudem gibt es einen Einblick in das Schaffen zweier prägender Künstlerinnen: der Autorin und Regisseurin Assia Djebar und der Filmemacherin und Journalistin Jocelyne Saab. Auch gezeigt wird der faszinierende und verstörende Film Abou Laila von Amin Sidi-Boumédiène welcher in Cannes 2020 zu sehen war.
Die palästinensische Künstlerin Larissa Sansour – diesjähriges Artist Special – hat einen futuristischen Weg gefunden, um Kolonialismus filmisch zu überwinden. Mit Science-Fiction als Möglichkeit, soziale und politische Fragen aufzugreifen, und in der Dialektik zwischen Mythos und Geschichte kreiert sie faszinierende, dystopische Zukunftsvisionen. Diese setzen sich mit kollektiver Erinnerung, Nationbuilding und mit Identität, verwurzelt in Trauma und Exil auseinander. Ausgehend von Problemen im Nahen Osten diskutiert die Gewinnerin des Jarman-Preises (2020) inzwischen verstärkt breitere, globalere Themen.  

Mit globalen Themen als Ästhetik setzt sich auch die Künstlerin des diesjährigen Artist Focus Rosa Barba auseinander, welche zu den meist beachteten filmisch arbeitenden Künstlerinnen ihrer Generation gehört. Ihre filmischen Werke verhandeln die sozial-politischen Aspekte des Anthropozäns, indem sie menschliche Einschreibungen in die Natur kritisch visualisiert. Gefilmte Landschaften mit sich weit erstreckenden Solaranlagen, Bewässerungsanlagen oder Minen stehen im Vordergrund, während der Mensch selber als Akteur nicht sichtbar ist.  

Der 2019 für den Turnerpreis nominierte Künstler Lawrence Abu Hamdan (Artist Special) setzt hingegen die Rolle von Klang als Bedeutungsträger ins Zentrum seiner filmischen Arbeiten. Aspekte wie Akzentkontrolle, Audioüberwachungen, Stimmerkennungen, Übersetzungstechnologien bis hin zur subjektiven Handlung des Zuhörens und der gesetzlicher Festlegung von Sprachnormen werden dabei aufgegriffen. Klang als Medium das Wände durchdringen und Grenzen überwinden kann, wird dabei aus physikalischer sowie aus politischer und philosophischer Perspektive verhandelt und visualisiert.  

Text:

First published: May 18, 2022

Videoex – Experimental Film & Video Festival | Zurich | 21-29/5/2022

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