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Packing Heavy

Packing Heavy

Dass es der Welt, die Darío Mascambroni in Packing Heavy entwirft, am Elementaren fehlt, sieht man gleich am Anfang. Da sitzen fünf zwölfjährige Jungs im Kreis auf dem Boden und beatboxen. Die Musik muss ohne Instrumente hausgemacht werden, wenn man sie hören will. Auch am T-Shirt muss man riechen, bevor man es anzieht, denn die Waschmaschine funktioniert nicht mehr, und die Haare werden einem nicht vom Friseur, sondern vom Bruder eines Kumpels im Hinterhof vom Kopf rasiert. Eine Pistole und zwei Schachteln Munition hingegen liegen sofort bereit, sobald man sie braucht. Es sind dramatisch verschobene Zustände, innerhalb derer die Jungs, allen voran Tómas, der sich mit einer Mischung aus Trauer und kindlicher Unbeholfenheit am Mörder seines Vaters rächen will, in ihre Pubertät hineinwachsen.

Die besondere Stärke von Packing Heavy besteht nicht darin, die Lebensrealität der Kinder am staubigen und baufälligen Rand einer argentinischen Stadt mit klagendem Miserabilismus aufzuladen, sondern darin, tatsächlich die Frage nach dem (Hinein-)Wachsen zu stellen, die klassische Frage einer Coming-of-Age-Erzählung also, nur eben unter besonderen Vorzeichen, innerhalb besonderer Zustände. Es gibt ein schönes Bild, das diese Frage permanent am Leben erhält – es ist fast den ganzen Film über zu sehen. Tómas trägt das Fussballtrikot, das einst wahrscheinlich sein Vater trug. Es ist ihm viel zu gross, aber – und in diesem Bild liegt mehr Zuversicht, als es geschrieben klingen mag – er wird hineinwachsen. (LS)

First published: March 23, 2018

Packing Heavy | Film | Darío Mascambroni | ARG 2017 | 68‘ | FIFF 2018

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