Open Doors 2025 | Ibee Ndaw, Delphine Jeanneret
Open Doors ist keine Aussichtsterrasse auf aussereuropäische Länder, sondern eine globale Plattform für Austausch und Dialog, ein Labor, in dem das Kino-Denken und Kino-Machen auf transparente Weise miteinander kommunizieren.
Giuseppe Di Salvatore a rencontré les curatrices Ibee Ndaw et Delphine Jeanneret pour découvrir cette section du festival de Locarno qui est en péril de disparition.
Text: Giuseppe Di Salvatore | Audio/Video: Giuseppe Di Salvatore
Podcast
Open Doors 2025 | Ibee Ndaw, Delphine Jeanneret
Les curatrices Delphine Jeanneret et Ibee Ndaw discutent avec Giuseppe Di Salvatore (Filmexplorer) sur la section "Open Doors" au Locarno Film Festival 2025, la première de quatre éditions qui sont dédiées au continent africain | Montage: Morgane Frund
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Photos from: Lemohang Mosese's Ancenstral Visions of the Future and Carlos Yuri Ceuninck's Omi Nobu - Photo Delphine Jeanneret and Ibee Ndaw: © Locarno Film Festival / Ti-Press
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Nicht nur Storytelling und soziale Kritik, sondern auch Genre-Hybridisierung mit den kraftvollen Tanzszenen von When Nigeria Happens: Der Film von Ema Edosio-Deelen, der im Rahmen der Sektion Open Doors beim Locarno Film Festival seine Weltpremiere feiert, ist ein gutes Beispiel für die Heterogenität des zeitgenössischen afrikanischen Kinos, dem Open Doors das erste von vier Forschungsjahren widmet. Mit visionären und existentiellen Filmen wie Ancestral Visions of the Future von Lemohang Mosese oder Omi Nobu von Carlos Yuri Ceuninck hilft uns diese Sektion, traditionelle “afrikanische” Kategorien wie Ruralismus oder Afrofuturismus zu überwinden. Afrika ist ein Kontinent, der in seinen spezifischen Identitäten und lokalen Geschichten ebenso pluralistisch ist wie in seiner neokolonialen oder dekolonialen Realität und dem beeindruckenden Phänomen der Diaspora global.
Das charakteristische Merkmal der Sektion Open Doors ist jedoch nicht die rein “ästhetische” Kuration. Die Vorführungen, die das Publikum des Festivals von Locarno geniessen kann, sind das Tor zu einer Plattform der Begegnung und des Austauschs, die Filmwerke und ihren Produktionsprozess als gleichermassen relevant betrachtet. Als hybrider Abschnitt zwischen den Interessen der Industrie (Locarno Pro) und dem Anschauen von Filmen ist Open Doors ein Beispiel für ein Labor, in dem das Kino-Denken und Kino-Machen auf transparente Weise miteinander kommunizieren. Auf diese Weise wird Locarno beispielsweise auch zu einem Treffpunkt für die Entwicklung interafrikanischer Koproduktionen, einem dekolonialen Ziel von grosser Bedeutung.
Über diese und andere Herausforderungen einer Sektion, die von Budgetkürzungen der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) bedroht ist – zugunsten einer Schweizer Politik, die heute auf die Unterstützung der Rüstungsindustrie ausgerichtet ist –, sprach Filmexplorer mit Delphine Jeanneret, langjährige Kuratorin bei Open Doors, und Ibee Ndaw, Kuratorin des aktuellen Schwerpunkts auf dem afrikanischen Kontinent. Wie findet man sich bei der Auswahl der Projekte zurecht, zwischen dem Wunsch, benachteiligte und aufstrebende Filmrealitäten zu fördern, und der Notwendigkeit, ihnen eine realistische Perspektive für eine internationale Produktion zu geben? Wie kann man vermeiden, den (oft paternalistischen) Standpunkt der wohlhabenden Schichten der afrikanischen Gesellschaft zu privilegieren, die leichteren Zugang zur Filmproduktion haben? Wie kann man die Arbeit des Teams der Sektion Open Doors selbst gestalten, ohne in postkoloniale Logiken zu verfallen? Mit dieser inspirierenden Begegnung hat Filmexplorer ein zu schützendes Juwel entdeckt.