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Les dames

Les dames

Unsichtbare Frauen

Die Damen sind über sechzig. Sie haben ihr Leben in der Schweiz verbracht, haben geheiratet, Kinder die Welt gesetzt und gearbeitet. Sie haben ihre Beziehungen gelebt und hatten sicherlich eine Vorstellung davon, wie es im Alter wohl zu zweit sein wird – doch nun sind sie alleine. Der Film Les dames von Stéphanie Chuat und Véronique Reymond stellt diese Vorstellungen der Realität gegenüber. Er setzt zu einem Zeitpunkt im Leben von fünf reifen Frauen ein, an dem sie versuchen, sich neu zu orientieren und mutig anfangen, Forderungen zu stellen; Forderungen an sich und an ihre Zukunft. So bekannt einem die bisherigen Lebenswege von Marion, Odile, Pierrette, Noëlle und Carmen vorkommen, so unterschiedlich sind nun ihre Strategien, mit ihren aktuellen Situationen umzugehen. Während die einen rausgehen, neue Hobbys und Gleichgesinnte suchen, ziehen sich andere zurück, versuchen ihre Erinnerungen gemeinsam mit dem Hausrat zu ordnen oder stellen sich endlich ihren ältesten Ängsten. Um ihre fünf Protagonistinnen zu finden, haben die Regisseurinnen einen öffentlichen Aufruf gestartet und bekamen über hundert Zuschriften. Die grosse Resonanz überraschte und bestärkte sie darin, ihr filmisches Vorhaben voranzutreiben. Denn wenn etwas klar zu sein schien, dann die Tatsache, dass Redebedarf besteht.

Les dames ist ein solider Dokumentarfilm mit einem mutigen Thema. In der Montage riskieren Chuat und Reymond nicht viel, sondern setzen auf bewährte Methoden. Es gehört zu ihrer sensiblen Art, mit dem Thema umzugehen, auf technische Spielereien zu verzichten. Auch die Kameraführung ist ruhig und zurückhaltend. Die Regisseurinnen entschieden sich, mit nur einem Kameramann (Joseph Areddy) die Leben der Damen zu stürmen. Es zahlte sich aus, denn zwischen dem Team und den Protagonistinnen entstand ein Vertrauensverhältnis, das sich auf den Film überträgt und ihn zu einem der grossen Leinwand würdigen Werk macht. In Zeiten überhitzter Gender-Debatten setzt Les dames einen gelungenen Kontrapunkt. Chuat und Reymond schaffen einen Rahmen, der es den Frauen ermöglicht, unaufgeregt und aufrichtig aus ihrem Leben zu erzählen, ohne dabei ihre Probleme kleinzureden. Bedacht und sensibel, humorvoll und neugierig sind Wörter, mit denen man die fünf Frauen beschreiben kann. Das Alter jenseits der sechzig bringt seine Herausforderungen mit sich, doch Chuat und Reymond zeigen, dass es zu Unrecht so wenig beachtet wird.

 

First published: April 09, 2019

Les dames | Film | Stéphanie Chuat, Véronique Reymond | CH 2018 | 82’ | Visions du Réel 2018, Locarno Film Festival 2018, Solothurner Filmtage 2019

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