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In den Gängen

Ganz selten legt sich die Stimme von Franz Rogowski, der den Christian spielt, den neuen „Regal-Auffüller“, über die neonbelichteten Gänge eines Warenhauses in der ostdeutschen Provinz. Sie kommt aus dem Off. Sie kommt aus einer ganz besonders diffusen Zukunft, aus einer Zukunft, zu der dieser Film eigentlich noch gar keine Beziehung pflegen kann. Vielleicht sind diese seltenen Momente die schönsten in Thomas Stubers In den Gängen – sie machen aus dem Kauf- und Arbeitsraum einen Erinnerungsraum, einen Privat-, einen Persönlichkeitsraum.

Christian verliebt sich in Marion (Sandra Hüller), seine Kollegin aus der Süsswarenabteilung. Der liebenswürdige Bruno (Peter Kurth) lehrt ihm das Gabelstaplerfahren (Gabelstaplerfahren ist eine Virtuosenkunst; Stuber übertreibt es mit der Inszenierung – genau deshalb ist sie auch so liebevoll), oft machen sie „eine fünfzehn“, eine Raucherpause. Natürlich, In den Gängen ist ein Blick hinein in eine bestimmte Lebensrealität in Ostdeutschland – aber nie wird dieser Film allzu politisch-allegorisch, er nährt keinen „Abgehängten“-Diskurs, er versteht sich nicht als kinematografischen Solidaritätszuschlag. Er erzählt vielmehr in den Gängen eine Geschichte zwischen den Gängen, über das, was alles stattfindet und stattfinden kann in den schmalen Fluren zwischen den meterhohen Warenschränken: Liebe, Freundschaft, Kollegenschaft, Arbeit, Lernen, Sterben – das ganze Material einer zukünftigen Erinnerung eben.

First published: May 03, 2018

In den Gängen | Film | Thomas Stuber | DE 2018 | 125‘

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