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A Dysfunctional Cat

A Dysfunctional Cat

Es ist eine leere, graue Wohnung, in die Kian und Mina zusammen einziehen. Wird es das frisch verheiratete Paar schaffen, die kargen Wände mit Leben füllen zu können? Einem gemeinsamen Leben?

Wie so ein gemeinsames Leben aussieht, ist nämlich ungewiss. Mina und Kian sind zwar schon verheiratet. Kennenlernen müssen sich die beiden aber noch. Denn Mina und Kians Ehe wurde arrangiert. Nach unzähligen erfolglosen Dates mit deutschen Frauen entscheidet sich der iranischstämmige Arzt Kian eines Tages dazu, das Angebot seiner Mutter anzunehmen und auf traditionell iranische Art zu heiraten. Kurz darauf zieht Mina aus dem Iran für ihn nach Deutschland – eine Fremde. Zwischen unbeholfenen Annäherungsversuchen und unangenehmer Stille oszillieren wir mit Mina und Kian nun von Tag zu Tag zwischen der Hoffnung auf ein funktionierendes gemeinsames Leben und der Angst, den Sprung über den kulturellen Graben nicht zu schaffen.

Regisseurin Susan Gordanshekan, die ihre Wurzeln ebenfalls im Iran hat, nimmt sich des Themas der arrangierten Ehe in ihrem Spielfilmdebüt A Dysfunctional Cat (Eine defekte Katze) auf eine sensible und alles andere als effekthascherische Art und Weise an. Die Entwicklung der Beziehung wird uns nicht mit vielen Worten, sondern vor allem mit Blicken und Berührungen erzählt. Das Setting der sich mit der Zeit wandelnden neuen Wohnung fungiert wie eine dritte Protagonistin. Die Kamera liegt stets auf den Gesichtern. Es ist ein intimer und differenzierter Blick auf ein Thema, das in der westlichen Kultur meist von Unverständnis geprägt ist. Gleichsam werden wir damit gelungen mit unseren eigenen Vorstellungen von Liebe und Ehe konfrontiert.

Unaufgeregt und realistisch begleiten wir parallel dazu auch Mina, wie sie sich an die deutsche Kultur herantastet. Auf eine sensible Art und Weise zeigt uns Gordanshekan so die Herausforderungen, die mit dem Umzug in ein anderes Land einhergehen, und ermöglicht dem Publikum einen fremden Blick auf die eigene Kultur. Die Regisseurin beweist durchs Band viel Feingefühl und lässt gleichzeitig Spannung entstehen. Denn der Ausgang der Geschichte bleibt der ungewöhnlichen Romanze entsprechend ungewiss. Bis zum Schluss lässt der Film uns auf die Antwort auf die Frage bangen, ob es tatsächlich möglich ist, sich auch nach der Heirat verlieben zu können.

 

Text: Ann Mayer

First published: March 26, 2019

A Dysfunctional Cat  | Film | Susan Gordanshekan | DE 2018 | 93’ | FIFF Fribourg 2019

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