Ghostlight
Wie kann man aus Romeo und Julia einen perfekten Feel-Good-Movie machen? Kelly O'Sullivan und Alex Thompson ist das mit feiner Handschrift – in Worten und Gesten – gelungen. Fast auf Zehenspitzen schafft es Ghostlight, die Tragödie, die zunächst von einer Arbeiterfamilie gehemmt wird, die nicht in der Lage ist, ein Trauern zu verarbeiten, langsam hervorzuheben – eine Tragödie, die dann in einer Geschichte von psychologischer Emanzipation und Widerstandskraft überwunden wird. Die Wahl des Schauspielers Keith Kupferer als Protagonist ist eine glückliche, denn sein imposanter Körper kann perfekt die psychologische Blockade ausdrücken, die das Theater später heilen wird. Mit ihm erleben wir eine therapeutische Entwicklung von grossem schauspielerischen Können, begleitet von Nebenfiguren, die alles andere als zweitrangig sind. Die Normalität der Charakteren und die nie übertriebenen Töne machen die Geschichte realistisch und glaubwürdig und verdeutlichen so die allmähliche Annäherung an den Shakespeare-Text, dessen Universalität wir von innen heraus, durch die Erlebnisse, wiederentdecken. Unmöglich, bei Ghostlight, nicht zu weinen – Romeo ist tot. Aber die Tränen auf der Leinwand und im Kinotheater gelten vor allem Julia, weil sie die Kraft gefunden hat, aufzustehen und Romeo nicht in den Tod zu folgen. Es sind befreiende Tränen, und sie machen uns feel good.
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Kelly O’Sullivan, Alex Thompson | USA 2024 | 115’ | CH-Distribution: Sister Distribution
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Screenings in Swiss cinema theatres
Text: Giuseppe Di Salvatore