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Ulrich Seidl | Interview

Filmexplorer hat Ulrich Seidl, den Utopisten oder Pessimisten, die Wahl sei dem Leser überlassen, dank Migros-Kulturprozent in einem Zürcher Hotel-Lobby zum Interview getroffen. Wir nahmen diese Gelegenheit zum Anlass, uns mit dem österreichischen Filmemacher über Vorstellungen der Utopie und die Hoffnung für den Menschen zu unterhalten, und wir haben ihn gefragt, was seine Filme mit der österreichischen Gesellschaft zu tun haben.

Migros-Kulturprozent lädt zusammen mit der SRG SSR Schweizer Filmemacher und Autoren dazu ein, das Thema «Utopie» neu zu denken. Bereits zum siebten Mal wird so ein gesellschaftlich relevantes Thema lanciert. Es wird aufgefordert, sich mit dem Denkmodell der Utopie auseinander zu setzen. Was ist eine Utopie? Wo steckt sie im Menschen? Migros-Kulturprozent stellt noch mehr Fragen: Wer sind die modernen Utopisten und welche Visionen entwickeln sie für die Gesellschaft? Ist in der heutigen konfliktbeladenen Welt die Zeit für umfassende Gesellschaftsentwürfe endgültig vorbei? Die Antworten auf diese Fragen sind offen.

Bereits vor 500 Jahren schrieb Thomas Morus sein Werk «Utopia», eine Mischung aus politischer Streitschrift, philosophischem Traktat und bitterböse Satire. In seiner Schrift geht es um die perfekten Zustände auf der sagenhaften Insel Utopia. Gleichzeitig wird den Zeitgenossen aber auch unbarmherzig der Spiegel vorgehalten. Gerade so, wie man es von Ulrich Seidl kennt. Der österreichische Filmemacher wirft immer wieder den Scheinwerfer ins Dunkle, bringt Licht in die Abgründe des Menschlichen Daseins und versteht sich als Überbringer der Botschaft, mag sie gut oder schlecht sein. So liegt es nahe, dass er der Jury der jüngsten Ausschreibung von Migros-Kulturprozent mit dem Thema «Utopie» vorsteht. Im Weiteren nehmen Jakob Tanner und Anna Thommen Einsitz in die Jury.

Die drei Gewinner der ersten Runde sind:
Mirjam von Arx: «Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst» (Franklin D. Roosevelt, 1933) (ican films, Zürich). Angst ist eine der intensivsten und wirkungsvollsten menschlichen Emotionen, und die Vorstellung von einer risiko- und somit auch angstfreien Welt eine Utopie, die nie Wirklichkeit werden dürfte... Über all dem steht die Frage, ob eine angstfreie Gesellschaft überhaupt wünschenswert ist oder ob wir ohne Angst gar nicht leben könnten.
Pierre-Yves Borgeaud: La lutte finale (Momentum Production, Lausanne). Die Schweiz wird immer älter, mittlerweile kommen auch die Babyboomer und 68er ins Rentenalter... Ist die Utopie von einer anderen Gesellschaft gescheitert, leben wir längst in der Dystopie oder besteht noch Hoffnung? Und wie lassen sich Ideal und Realität im Alter in Einklang bringen?
Pauline Julier – Close Up Films, Genf – mit «La Nouvelle Atlantide»
 Die Regisseurin will die Vorarbeiten zum Future Circular Collider ein Jahr lang begleiten. Die CERN-Forscher müssen dabei ganz konkrete Probleme diskutieren, die von der Geologie bis zur Teilchenphysik reichen. Am Ende gilt ihr Interesse den Fragen zum Anfang unseres Universums und der Entstehung von Raum und Zeit.

An den Solothurner Filmtagen wird nun bekannt gegeben, wer von den drei Gewinnern der ersten Runde, nun seinen Film vollumfänglich mit der Kofinanzierung von Migros-Kulturprozent und SRG SSR realisieren kann.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass die Gewinnerprojekte immer wieder den Weg an die Festivals schaffen, so «Trading Paradise» von Daniel Schweizer, der bereits am «Visions du Réel» im Programm stand und nun auch an den Solothurner Filmtagen gezeigt wird.

Text: Ruth Baettig | Audio/Video: Ruth Baettig

First published: January 16, 2017

Interview | Ulrich Seidl | Jurypräsident des 7. Migros-Kulturprozent CH-Dokfilm-Wettbewerbs | Thema: «Utopie» | Preisverleihung Solothurner Filmtage 2017

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