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Maren Ade | Toni Erdmann

​«Familie kann manchmal etwas sehr Statisches sein. Ich wollte mit «Toni Erdmann» eine Ausbruchsfantasie erzählen.»

«Man musste auch immer hinter die Fassade gucken können, damit das weitergeht, was ich auch als Haupthandlung verstehe, nämlich das Ringen um Nähe und Distanz der beiden.»

«Ja, mich interessiert Humor schon, als Sprache auch!»

Der neuste Film von Maren Ade Toni Erdmann wird hoch gelobt. In Cannes erhielt er den Kritikerpreis. Es ist nur schwer zu verstehen, dass er nicht auch die goldene Palme mit nach Hause gebracht hat. Auf jeden Fall wird er auch ohne diese Auszeichnung seinen Weg machen. Nicht nur die Käseraffel, die der Vater Winfried seiner Tochter Ines als Geburtstagsgeschenk nach Bukarest mitbringt, wird in die Filmszene eingehen. Vor allem auch der subtile Umgang mit den Figuren, die aus den anfangs festgesetzten Rollen im Verlauf des Films über sich hinaus wachsen, wird man nicht so schnell vergessen. Eine unglaublich präzise Inszenierung ist gepaart mit analytischer Schärfe und einem wohldosierten Umgang mit Humor. Maren Ade ist eine gute Beobachterin der zwischenmenschlichen Beziehungen und schafft es, diese so nahe an uns heran zu zoomen, dass man im Kinosaal mitunter komisch berührt ist und beschämt wegschauen möchte, da etwas Wohlbekanntes, jedoch Unausgesprochenes an den Rändern und den Details aufgezeigt wird. Das ist grosse Kinokunst, die gleichzeitig haargenau in unsere Zeit passt.

Filmexplorer hat die begabte, junge Filmemacherin, die selber Mutter von zwei Kindern ist, vor dem Kinostart in Zürich getroffen und mit ihr darüber gesprochen, wie sie es schafft, dem Drehbuch treu zu bleiben, den Schauspieler Freiraum zum Experimentieren zu geben, warum der Film gerade in Rumänien spielt und ob sie auch einen Toni Erdmann mit sich rumträgt…

Text: Ruth Baettig | Audio/Video: Ruth Baettig
First published: July 24, 2016

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